BGG 86 III sieht eine Ausnahme der Regel von http://www.admin.ch/ch/d/sr/173_110/a86.html („Die Kantone setzen als unmittelbare Vorinstanzen des Bundesgerichts obere Gerichte ein…“) und hat folgenden Wortlaut:

„Für Entscheide mit vorwiegend politischem Charakter können die Kantone anstelle eines Gerichts eine andere Behörde als unmittelbare Vorinstanz des Bundesgerichts einsetzen.“

Das BGer hat BGG 86 III bereits angewandt, bisher aber nicht auf grundsätzliche Weise ausgelegt („La jurisprudence ne s’est pas encore prononcée sur la portée à donner à l’art. 86 al. 3 LTF, mais a statué de cas en cas“). Hier verlangt das BGer nun♠ aufgrund des Ausnahmecharakters der Bestimmung generell eine enge Auslegung:

„En effet, l’accès au juge étant garanti par la Constitution (art. 29a), il convient d’interpréter l’art. 86 al. 3 LTF, qui déroge à cette garantie, de manière stricte. Le texte de l’art. 86 al. 3 LTF, par l’exigence du caractère politique „prépondérant“ („vorwiegend“; „prevalentemente“), indique du reste que seules les situations revêtant à l’évidence un caractère politique sont visées. Il ne suffit donc pas que la cause ait une connotation politique, encore faut-il que celle-ci s’impose de manière indubitable et relègue à l’arrière-plan les éventuels intérêts privés en jeu.“

Die vorliegend streitbetroffene Verfügung über die Befreiung einer Stiftung von Schenkungssteuern betraf die Stiftung primär in ihrem finanziellen Interessen. Der politische Charakter beruhte lediglich auf der Bedeutung der Stiftung als gemeinnütziger Institution und daher nicht überwiegend, wie vom BGer verlangt.

David Vasella

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RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.