Das BGer hatte im vorliegenden Urteil einen Vertrag über den Empfang und die Qualitätsprüfung (hier Weizen) durch eine Überprüfungsgesellschaft zu qualifizieren. Fraglich war insbesondere die Qualifizierung als Auftrag oder aber als Hinterlegungsvertrag.

Ein Hinterlegungsvertrag setzt dabei u.a. voraus, dass der Aufbewahrer die hinterlegte Sache dem Hinterleger wieder herauszugeben hat (OR 475 ff.). Am diesen Element fehlte es jedoch im vorliegenden Fall. Die Prüfgesellschaft hatte sich nicht verpflichtet, den Weizen selbst wieder herauszugeben. Sie war lediglich verpflichtet, für die Aufbewahrung des Weizens zu sorgen. Sie konnte dementsprechend nicht gestützt auf einen Hinterlegungsvertrag dafür haftbar gemacht werden, dass der Weizen verschwunden war.

Ein Hinterlegungsvertrag war zwar diskutiert worden. Ein entsprechender Entwurf lag zwar vor, wurde aber nicht formgültig geschlossen. Die Parteien hätten den Vertrag unterzeichnen müssen, was nicht erfolgt war. Das Schriftformerfordernis wurde dabei konkludent durch Vorlage des Vertragsentwurfs vereinbart:

Convenir d’une forme spéciale selon l’art. 16 al. 1 CO
ne requiert aucune forme particulière et l’accord peut résulter d’actes
concluants; ainsi, lorsqu’une partie envoie à l’autre des exemplaires
d’un projet de contrat écrit pour qu’elle les signe, on doit présumer
qu’elle n’entendait s’engager que dans la forme écrite
[…].
En l’espèce, il ressort des constatations cantonales
que la recourante avait conçu un contrat qui devait être signé par trois
parties […]; elle a envoyé son
projet à A. pour que cette société le signe, mais elle n’a
jamais obtenu cette signature, de sorte qu’en définitive personne n’a
signé ce document. […]
Il convient d’en inférer juridiquement que la recourante a manifesté,
par actes concluants, la volonté de n’être liée qu’en la forme écrite,
sans qu’il y ait trace d’une renonciation ultérieure […] Ainsi, il convient d’admettre que
la forme écrite a été réservée; dès lors qu’elle n’a pas été observée,
le contrat envisagé n’est pas venu à chef […].

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.