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2C_1246/2012: "Puls"-Sendung zu Botox hat Sachgerechtigkeitsgebot verletzt

Das BGer bestätigt den Entscheid der UBI, die eine Beschwerde des VgT gegen eine "Puls"-Sendung zum Thema Botox gutgeheissen hatte. Der VgT hatte kritisiert, das Publikum habe sich keine eigene Meinung zum Thema bilden können, da die für die Produktion von "Botox" nötigen "grausamen" Tierversuche nicht erwähnt worden seien. Die UBI stellte fest, dass die Sendung das Sachgerechtigkeitsgebot verletzt hatte. Die SRF war dagegen ans BGer gelangt.

Das BGer weist die Beschwerde der SRF ab. Die heutige Praxis bei der Produktion und Zulassung von "Botox" hat zur Folge, dass die Zahl der Tierversuche mit der Menge des verbrauchten Botox ansteigt. Dass dieser Umstand nicht erwähnt wurde, bedeutet eine unsachgemässe Berichterstattung durch Unterlassung:
Die entsprechende Information war geeignet, die Haltung von potenziellen "Kunden" zu "Botox" zu beeinflussen und allenfalls im Sinne des Tierschutzes auf dessen Einsatz aus Schönheitsgründen zu verzichten. Mit der Ombudsstelle und der UBI ist davon auszugehen, dass von einem Magazin, das Service- und Ratgeberfunktionen in den Mittelpunkt stellt, in einer Spezialsendung erwartet werden durfte bzw. musste, dass der entsprechende Aspekt nicht verschwiegen würde. Nur durch eine geeignete Erwähnung der mit der Produktion von "Botox" notwendigerweise verbundenen Tierleiden wäre das Publikum in der Lage gewesen, sich über sämtliche Fragen rund um dessen Gebrauch im kosmetischen Bereich eine vollständige, eigene Meinung zu bilden (vgl. zur unsachgemässen Berichterstattung durch unterlassene Information etwa das Urteil 2A.41/2005 vom 22. August 2005 E. 3.3.1, 3.3.3 in fine und 3.3.4 ["Kunstfehler"]).