Nach der Auflösung eines Lizenzvertrags warf die Lizenzgeberin der Lizenznehmerin vor, ihr Warenlager durch Verkäufe ausserhalb des selektiven Vertriebes zu liquidieren. Der Lizenzvertrag enthielt eine Schiedsklausel nach den WIPO Expedited Rules. Die Lizenznehmerin klagte darauf gegen die Lizenzgeberin, die Widerklage erhob. Der vom WIPO Arbitration and Mediation Center eingesetzte Einzelschiedsrichter gab in einer „sentence préliminaire“ der Lizenzgeberin weitgehend recht und befahl der Lizenznehmerin u.a. vorsorglich, der Lizenzgeberin ihr Warenlager gegen Zahlung von ca. EUR 1 Mio. zu übergeben. Vor BGer war u.a. umstritten, ob es sich beim Entscheid um eine vorsorgliche Massnahme iSv IPRG 183 handelte.

Solche Entscheide können vor BGer – im Gegensatz zu End-, Teil- und Zwischenentscheiden  nicht angefochten werden. Das hatte das BGer zwar bisher nicht selbst festgehalten, doch entspricht es der herrschenden Auffassung, der sich das BGer anschliesst:

„2.3.1 Le recours en matière civile, au sens de l’art. 77 LTF en liaison avec les art. 190 à 192 LDIP, n’est recevable qu’à l’encontre d’une sentence. L’acte attaquable peut être une sentence finale, qui met un terme à l’instance arbitrale pour un motif de fond ou de procédure, une sentence partielle, qui porte sur une partie quantitativement limitée d’une prétention litigieuse ou sur l’une des diverses prétentions en cause, voire une sentence préjudicielle ou incidente, qui règle une ou plusieurs questions préalables de fond ou de procédure (sur ces notions, cf. l’ATF 130 III 755 consid. 1.2.1 p. 757). En revanche, une simple ordonnance de procédure pouvant être modifiée ou rapportée en cours d’instance n’est pas susceptible de recours (arrêt 4A_600/2008 du 20 février 2009 consid. 2.3).
Le cas des décisions sur mesures provisionnelles, visées par l’art. 183 LDIP, n’a pas encore été examiné par le Tribunal fédéral à ce jour. Il est cependant unanimement admis dans la doctrine – à juste titre – que le recours en matière civile n’est pas recevable contre de telles décisions, car elles ne constituent ni des sentences finales, ni des sentences partielles, ni des sentences préjudicielles ou incidentes.“

Allerdings können im Gewand einer vorsorglichen Massnahme auch Endentscheide gefällt werden; das kommt besonders bei vorsorglichen Leistungsmassnahmen in Betracht. Die Natur eines Entscheids hängt dabei nicht von seiner Bezeichnung ab, sondern von seinem Inhalt.

Im vorliegenden Fall kommt das BGer zum Schluss, dass der Entscheid des Einzelschiedsrichter tatsächlich eine vorsorgliche Massnahme betraf. Das ging einerseits aus der Begründung des Entscheids hervor und andererseits daraus, dass der Entscheid eine Frage betraf, die nicht Gegenstand eines Hauptsachebegehrens war. Der Entscheid sei im Ergebnis als vorsorgliche Regelungs- oder Leistungsmassnahme zu beurteilen und sei damit, als vorsorgliche Massnahme, nicht mit der Beschwerde in Zivilsachen anfechtbar.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.